Seltsamer Absender
Der einfachste Weg, einen Phishingversuch zu erkennen, ist der Absender. Im Regelfall wird sich der E-Mail-Absender von der echten E-Mail-Adresse unterscheiden. Mit einem genauen Blick auf die Absenderadresse lassen sich viele Versuche bereits früh entlarven. besonders relevant ist der Teil nach dem @-Zeichen. Hier einige Beispiele:
no-reply@meine-bank-de.com (korrekt: meine-bank.de)
info@shop-24.de (korrekt: info@shop24.de)
Im Zweifelsfall hilft ein kurzer Blick auf die Webseite des vermeintlichen Absenders oder eine Online-Recherche. Dort finden Sie schnell die korrekte E-Mail-Adresse.
Aber Achtung: Es gibt neuere Methoden, bei denen einzelne Buchstaben gegen sehr ähnlich aussehende Zeichen getauscht werden. Dort lässt sich das optisch nicht sofort erkennen.
Unpersönliche Ansprache
Wenn Sie eine echte E-Mail von Ihrer Bank, einem Online-Shop oder einem anderen Absender erhalten, dann werden Sie in der Regel direkt persönlich mit Namen und weiteren Daten angesprochen. Wenn eine E-Mail Sie nur generisch oder gar nicht persönlich anspricht, ist direkt Vorsicht gehoben. Besonders wenn die E-Mail dann auch noch keinerlei Daten mit Bezug zu Ihnen enthält.
Aber Achtung: Durch Datenleaks und Cyberangriffe können vollständige und umfangreiche Datensätze zur Ihrer Person im Darknet zu finden sein. Diese können genutzt werden, um Ihnen personalisierte E-Mails zu schicken.
Seltsames Anliegen
Viele Phishing-Emails fordern Sie zu einer Handlung auf. Sie sollen z. B. auf einen Link klicken, vertrauliche Daten eingeben oder sogar Geld überweisen. Fragen Sie sich daher bei jeder E-Mail, ob das beschriebene Anliegen wirklich Sinn macht. Eine Bank braucht keine weiteren persönlichen Daten von Ihnen und ein Online-Shop wird nicht eine weitere Zahlung lange nach der Bestellung verlangen. Im Zweifelsfall hilft oft eine kurze Online-Recherche. Viele legitime Absender warnen online vor Betrugsmaschen, wenn diese bekannt werden.
Aber Achtung: In Einzelfällen können Cyberkriminelle tatsächliche Vorgänge kapern. Besonders wenn die gestohlenen Daten sehr aktuell sind, können Sie sich in echt Anliegen wie Bestellungen, Supportanfragen oder Verwaltungsvorgänge einschleusen. Diese Gefahr besteht z. B. beim Berlin Hack oder jüngst beim Hack einer Software für Autohäuser.
Zeitdruck
Um zu verhindern, dass Sie die E-Mail und das Anliegen sorgfältig prüfen, wird in vielen Phishing-E-Mails künstlich Druck und ein enges Zeitfenster aufgebaut. So sollen Sie schnell zu einer unüberlegten Handlung verleitet werden. Klassische Beispiele sind:
Wenn Sie in 48 Stunden nicht reagieren, wird Ihr Konto gekündigt.
Wenn wir von Ihnen keine unmittelbare Antwort erhalten, entstehen Mahngebühren in Höhe von X Euro.
Bitte melden Sie sich unmittelbar zurück um weitere Konsequenzen zu vermeiden.
Kein seriöser Anbieter wird Ihnen eine derart kurze Frist setzen. Oft ist das rechtlich auch überhaupt nicht zulässig. Bleiben Sie in jedem Fall ruhig und gelassen. Nehmen Sie sich bewusst Zeit, das Anliegen sorgsam zu prüfen. Diese Zeit haben Sie in jedem Fall.
Aber Achtung: Es gibt tatsächlich dringende Fälle, in denen Ihre Rückmeldung notwendig ist. Dann wird der Anbieter im Zweifelsfall versuchen, Sie auf weiteren Wegen zu kontaktieren. Lassen Sie solche E-Mails aber nicht unbearbeitet ewig liegen.
Seltsame Links
Um Ihre Daten zu erlangen oder Sie zu einer schädlichen Handlung zu verleiten, wird die E-Mail Sie oft auf eine Webseite leiten wollen. Hier gilt das Gleiche wie bei der Absender-E-Mail-Adresse. Prüfen Sie den Link sorgfältig, bevor Sie ihn öffnen oder Daten eingeben. Wenn Sie in ihrem E-Mail-Programm den Mauszeiger auf den Link oder den Button bewegen, wird Ihnen normalerweise der vollständige Link angezeigt. Mit einem Rechtsklick können Sie diesen auch kopieren. Auch hier kann eine kurze Online-Recherche helfen, ob der Link seriös ist.
Falls Ihr Browser beim Öffnen des Links eine Warnung anzeigt oder das Öffnen der Webseite sogar komplett verweigert, sollten Sie in jedem Fall davon ausgehen, dass es sich um eine Phishing-E-Mail handelt. In diesem Fall hatten Sie Glück im Unglück. Aber auf diesen Mechanismus können Sie sich leider nicht verlassen.
Aber Achtung: Wie E-Mail-Adressen können auch Links sehr glaubhaft gefälscht werden.
Rückfragen
Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Anliegen Phishing oder echt ist, dann sollten Sie beim angeblichen Absender nachfragen. Viele Anbieter geben proaktiv auf Ihrer Webseite an, welche Anliegen Sie niemals per E-Mail verschicken würden oder woran Sie eine seriöse E-Mail des Anbieters erkennen.
Aber Achtung: Verwenden Sie einen anderen Kommunikationsweg und antworten Sie nicht direkt auf die E-Mail. Suchen Sie sich E-Mail-Adressen oder andere Kontaktdaten über die legitime Webseite des Anbieters heraus.
Telefon, SMS und Briefe
Zwar ist die E-Mail immer noch der häufigste Weg für Phishing, aber zunehmend kommen auch andere Wege in den Trend. Vorneweg ist seit Jahren die SMS oder Messenger. Auch nehmen Fake-Anrufe dank KI immer weiter zu. Zuletzt gab es auch immer wieder Berichte, dass Behördenbriefe gefälscht und per Post verwendet wurden.
Hier gelten die gleichen Erkennungsmerkmale wie bei der E-Mail. Primär das Fehlen persönlicher Daten, das ungewöhnliche Anliegen und der Zeitdruck.
Was sollten Sie tun?
Seien Sie misstrauisch bei jeder Form von unpersönlicher Kommunikation, egal ob digital oder analog. Nehmen Sie sich genügend Zeit und Ruhe und handeln Sie nicht sofort und unüberlegt. Im Zweifelsfall recherchieren Sie online, ob das Anliegen berechtigt sein könnte oder eine bekannte Phishing-Masche ist. Wenn Sie Zweifel haben, kontaktieren Sie den Anbieter über einen anderen Kanal und fragen Sie nach.



